Kategorien
Aktivismus

Der 8. März unter dem Motto “Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen”

Text von Clara Sophie Bitter

auf grünem Hintergrund sind Zweige zu sehen und eine Zeichnung der Erde. Die blaugrüne Kugel wird von mehreren Reihen Personen die sich an den Händen halten eingerahmt. Die meisten wirken mit langen Haaren eher feminin. Daneben steht "( march 2022 Gender Equality today for a sustainable tomorrow".
©UN Women

Der 8. März wird jedes Jahr als Internationaler Frauen*tag oder auch feministischer Kampftag begangen. Dieser Tag soll auf die bisherigen Errungenschaften der Frauen*rechtsbewegung und feministischer Bewegungen aufmerksam machen. Gleichzeitig wird er dafür genutzt, bestehende Diskriminierungen, Ungleichheiten und Benachteiligungen von FLINTA* (= Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Transgender– und Agender-Personen) aufzuzeigen und soll durch Aktionen, Demonstrationen und Kundgebungen Menschen zu einem Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit motivieren. Da eben nicht nur Frauen* im Patriarchat unterdrückt werden, sondern alle FLINTA*, wird der 8. März in aktivistischen und politischen Kreisen meist feministischer Kampftag genannt.  Mehr Informationen über die Hintergründe des 8. März erfahrt ihr auf der Instagram Seite der Geschlechtergeschichte an der Uni Innsbruck gender.inn .

Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen

Der diesjährige 8. März steht laut den UN Women unter dem Motto “Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen”. Die UN Women haben dazu eine Erklärung verfasst, auf die der folgende Absatz Bezug nimmt. Sie beziehen sich dabei explizit auf Frauen* und Mädchen*. Wie oben beschrieben sind von Geschlechterungerechtigkeit aber mehr Personen betroffen und sollten einbezogen werden. Das Motto soll den Beitrag von Frauen* und Mädchen* auf der ganzen Welt würdigen, die die Verantwortung für die Anpassung an den Klimawandel, den Klimaschutz und eine nachhaltigere Zukunft übernehmen. Frauen* sind weltweit die Hauptbetroffenen des Klimawandels, da sie den Großteil der armen Menschen ausmachen. Häufig sind Frauen* bezüglich ihrer finanziellen und gesundheitlichen Versorgung von anderen abhängig und damit stärker von der Gefährdung natürlicher Ressourcen betroffen. Unter anderem deshalb sind und wären Frauen* wichtige Führungspersönlichkeiten, wenn es um eine Klimaanpassung und Umstrukturierung im Umgang mit natürlichen Ressourcen geht. Ihre Teilhabe an politischen Prozessen ist für eine Bewältigung der Klimakrise weltweit unumgänglich. 1

Das Motto “Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen” soll aktiv darauf aufmerksam machen, dass die Teilhabe von Frauen* in Entscheidungsprozessen bezüglich des Klimawandels elementar ist. Hierzu müssen bisherige Hindernisse und zukünftige Möglichkeiten wissenschaftlich erforscht und gesellschaftlich diskutiert werden. Ohne eine Gleichstellung der Geschlechter heute bleibt eine nachhaltige und gleichberechtigte Zukunft außerhalb unserer Reichweite. 1 Aber wie hängen diese Bereiche zusammen?

Die Verbindung feministischer und nachhaltiger Ziele in der Forschung

In der Geschlechterforschung befassen sich unter anderem ökofeministische und sozialökologische Strömungen mit diesen Themen. Sie beschäftigen sich mit dem Zusammenhang und der Ähnlichkeit der kapitalistischen Ausbeutung und Beherrschung der Natur und jener von Frauen*, beziehungsweise der weiblichen Produktivität allgemein. Eine Beendigung der patriarchalen Dominanz über Frauen* und die Natur wird als eine Grundvoraussetzung für die Überwindung der negativen Auswirkungen des Kapitalismus gesehen. Gleichzeitig wird auch davon ausgegangen, dass eine nachhaltige Entwicklung im Umgang mit der Natur und dem Klima innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft nicht oder nur begrenzt möglich ist. 2

Aber auch der Umgang des Staates mit der Verantwortung für den Klimawandel wird kritisiert. In den derzeitigen gesellschaftlichen Strukturen delegiert der Staat die Überlebensverantwortung an Privathaushalte, lokale Gemeinschaften und Kommunen. Wir selbst sind beispielsweise dafür verantwortlich, wie und mit was wir uns ernähren. Nach wie vor sind es meistens Frauen*, die Care-Arbeit leisten, was mitunter die Beschaffung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln umfasst. Hier spricht man deshalb von einer Feminisierung der Verantwortung. Diese geht über die private Sphäre hinaus, indem Verantwortung für Konsum an Privatpersonen abgegeben wird. Es wird beispielsweise medial mehr über den persönlichen Plastikverbrauch als über schwerwiegendere Industrieabfälle gesprochen. Gleichzeitig wird auch der Individualverkehr stark in die Verantwortung genommen, während Transportwege für industrielle Güter außen vor gelassen werden.  Für Privatpersonen gilt also „act local“, aber für wirtschaftliche Unternehmen gilt „think global“. So entsteht ein Verantwortungsdruck für die meistens durch Frauen* geführten Haushalte, der nicht nur den Privathaushalt betrifft sondern vor allem auch den Globalhaushalt. 3

Diese Verstrickung der feministischen, antikapitalistischen und klimaaktivistischen Forderungen und Kämpfe anzuerkennen und zu verstehen ist also elementar für eine Veränderung hin zu einer besseren Zukunft für alle. Nicht nur, aber auch am heutigen feministischen Kampftag.

In Innsbruck findet am 8. März ab 12:00 Uhr ein Aktionstag an der Annasäule statt. Im Anschluss daran startet um 18:00 Uhr die Demonstration zum feministischen Kampftag, ebenfalls an der Annasäule.

Quellen:

1 UN Women. International Women’s Day 2022: “Gender equality today for a sustainable tomorrow„. 2021. Zugriff 07.03.2022 https://www.unwomen.org/en/news-stories/announcement/2021/12/international-womens-day-2022-gender-equality-today-for-a-sustainable-tomorrow

2 Bauhardt, Christine. Feministische Ökonomie, Ökofeminismus und Queer Ecologies – feministisch-materialistische Perspektiven auf gesellschaftliche Naturverhältnisse. 2012. Zugriff 07.03.2022 https://www.fu-berlin.de/sites/gpo/pol_theorie/Zeitgenoessische_ansaetze/Bauhardtfemoekonomie/Bauhardt.pdf

3 Wichterich, Christa. Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung: Soziale Reproduktion und Livelihood-Rechte in der neoliberalen Globalisierung. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie: Wuppertal Papers, 2004.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s